Himmelfahrt. In manchen Regionen Deutschlands wird dieser Tag auch Herrentag genannt. Bei uns wird er nur Vatertag (sprich „Vaddertach“) genannt. Es ist immer ein Donnerstag und noch viel wichtiger: es ist Feiertag und man hat frei.
Und was tut ein sesshafter Hausmeister an diesem freien Tag? Mit dem Bollerwagen saufend und grölend umherziehen und Gefahr laufen, sich unnötig den Gefahren des deutschen Straßenverkehrs auszusetzen? Weit gefehlt!
Der Ölprinz hat ein fachgerechtes Frühstück in Männerrunde organisiert. Geladen waren der Däne, der Elektriker und der Hausmeister. Selbstverständlich musste dies in einem würdigen Rahmen stattfinden und so wurde das Frühstück im Schießstand zelebriert.
Der Hinweg zum Ort des Geschehens war etwas kompliziert, da einige Umwege in Kauf genommen werden mussten, um den marodierenden, jugendlichen Vatertagshorden auszuweichen. Aber als erfahrener Ortskenner, ist das natürlich kein Problem.
Bei bestem Wetter wurde der Zelebrationstisch nach draußen gestellt, um die Sonne zu genießen. Pünktlich um 11:00 wurde das erste Paulaner verhaftet und das Event feierlich eröffnet. Der Ölprinz hatte alles optimal vorbereitet. Selbst das Unglück, dass die Tiefkühlbrezel über Nacht aufgetaut sind und sich so zu einem Klumpen vereinigt haben, wurde von ihm kompensiert. Die daraus entstandenen Laugenbrötchen waren sehr lecker (und hilfreich). Als dann noch der erste Schwung Weißwurst fertig war, war der Hochgenuss deutsch-bayrischer Frühstückskultur perfekt.
Plötzlich tauchte ein unbekannter Jungsenior zu Fuß auf. Gekleidet war er in altersgemäßen Olivgrün. Er inspizierte zunächst die Festhalle. Als er aber feststellte, dass der Stöhner geschlossen hatte und er uns erspähte, trottete er so dann zu uns. Man merkte förmlich, dass er einen großen Bierdurst verspürte. Er war drauf und dran, in den Schießstand zu stürmen. Wir konnten ihm aber noch rechtzeitig klar machen, dass wir eine private Runde sind und der Schießstand keine öffentliche Kneipe ist. Immernoch durstig zog er von dannen auf der Suche nach jemandem, der ihm endlich ein Bier gibt.
Ein wenig störend wirkte sich das Grölen der Bollerwagen-ziehenden Horden aus, die sich als Treffpunkt die Tanke des Ölprinzen ausgeguckt haben, so wie Karawanen, die sich in der Oase vor dem Marsch durch die Wüste treffen (daher der Name „Gelbe Oase“). Aber dies war nicht von langer Dauer (oder wir haben es später überhört).
Urplötzlich tauchte Schnoor-Junior mit seinem Cousin auf. Die wollten wohl trainieren, denn Schnoor wurde so auch noch mit angekündigt. Kurz darauf stürmte sein Auto auch schon auf den Platz. Gefühlt war das aber ein sehr kurzes Training, denn sehr schnell kam Schnoor-Junior wieder heraus und teilte uns mit: „Papa kommt auch gleich, dann könnt ihr mit dem Bier trinken.“ Und tatsächlich: Die Jungen waren abgefahren, da setzte sich Schnoor zu uns, um das kühle Gold zu genießen. Er teilte uns lediglich noch mit: „Ich muss nachher noch grillen.“ Aber der Tag war ja noch jung.
So wurde weiter gefrühstückt. Leider wurde nach dem dritten Gang vergessen, das Obstwasser wieder kalt zu stellen, so dass dieser Genuss unerträglich wurde. Später haben wir auch erfahren, nach welchem Kriterium das Hochprozentige ausgewählt wurde. „Ich fand die Flasche so schön“, teilte uns der Ölprinz mit, „also trinkt man schön“.
Überraschend fuhr dann der Wagen von Schnoors Vater vor und auf der Beifahrerseite stieg Schnoors Frau aus. Sie sagte kein Wort, aber das brauchte Sie auch nicht: bei den Blicken, die sie Schnoor zuwarf. Sie stieg dann in sein Auto und fuhr damit davon. Schnoors Kommentar dazu war nur: „Dann muss ich wohl jetzt zu Fuß nach Hause“. So trank er sein Bier aus und trottete los.
Aber der Bierfluss war noch nicht gestoppt und wir genossen es weiter, als der Ölprinz für kurze Zeit zur gelben Oase entschwunden ist. Auf dem Rückweg brachte er seine Frau und den Hund mit. Madame Ölprinz kam grad von der zentralen Vatertagsfeier in Ahrenswohlde und war völlig außer sich. Unter nicht wenig Alkoholeinfluss musste die Arme auf’s Klo. Dabei fiel leider ihr Mobiltelefon in die Schüssel. Sie konnte es noch retten, aber natürlich war es komplett durchnässt. „Mein 1000€-Handy ist kaputt“, wiederholte die Geschädigte immer wieder. Der eindeutige Gesichtsausdruck des Ölprinzen zeigte uns sein Mitgefühl für ihr Problem.
Für Abwechslung sorgte Sam, der Hund des Ölprinzen. Dieser verspürte einen großen Spieltrieb und jeder von uns durfte mit ihm apportieren üben. Als Fazit hierzu kann man sagen, dass die Kommandos durch den Einfluss von Bier viel besser auszusprechen sind. Und der Hund hört auch besser.
So langsam setzte dann aber ein Sättigungsgefühl ein und das Frühstück wurde gemächlich beendet. Gemütlich fuhr ich mit dem Elektriker nach Hause, wobei mir unterstellt wird, dass ich den Elektriker zweimal in die Hecke drücken wollte. Dies ist natürlich ein klarer Fall von Realitätsverzerrung.
Außer ein paar Sonnenbränden gab es diesmal keine Verletzungen oder Beschädigungen, sondern nur glückliche Typen.