Rasenmähen à la catastrophe

Sonntag, schönes Wetter. Was gibt es da besseres für einen verkaterten Hausmeister, als zu seinem Pflegeobjekt zu fahren, um den Rasen zu optimieren? So fuhr ich also voller Tatendrang zu meinem Schießstand.

Dort traf ich auf eine Horde Uniformierter, die auf dem Weg zu ihrem Anstandsbesuch bei unseren Nachbarn aus Brest zum Schützenfest waren. Nach Dummsabbelei und der Verhaftung von Bier und Sekt (die Uniformierten, nicht der pflichtbewusste Hausmeister), wurde mir das Feld gänzlich überlassen, so dass ich mich meiner angedachten Aufgabe zuwenden konnte: Der Paraderasen vor dem Schießstand soll bis Schützenfest schick aussehen und bedarf somit besonderer Pflege.

Nachdem eine Woche zuvor der Grobschnitt von Wiese zu Rasen vollzogen wurde, sollte diesmal der Feinschnitt dran sein. Dafür wurde der Oldtimerrasenmäher aus der Grillecke herangezogen und auf kleinste Stufe gestellt.

Und auf ans Werk!

Eine Runde nach der anderen wurde gedreht, bis ich plötzlich ein merkwürdiges Rasseln neben mir vernahm. Nach langem Hin- und Herschauen fiel mir der Wagen der Besten Dame in ein paar Metern Entfernung auf: Die hintere rechte Scheibe hatte ein kleines Loch und der Rest war in vielen Einzelteilen zersprungen. Ich traute meinen Augen nicht. Ich konnte nicht feststellen, ob es wahr oder ein Traum war.

Nach einiger Zeit des Sammelns, setzte der Verstand wieder ein, und es begann die Überlegung, was zu tun sei. Zunächst musste die Nummer der Besten Dame besorgt werden, da es nach Brest mit dem Rad doch ein wenig weit ist. Nummer besorgt, angerufen, aber niemand ging ran. Selbst nach unzähligen Versuchen… Was zu tun?

Zum Glück konnte ich meine Schwester erreichen, mit der bin ich dann nach Brest gefahren, um dort den Autoschlüssel von dem Wagen abzuholen. Die Geschädigten haben es sehr gefasst und entspannt aufgenommen. Leider waren nahezu alle Würdenträger mit Anhang anwesend, so dass jeder sofort von meinem Fauxpas wusste.

Zurück am Schießstand, haben wir die Scheibenreste der Entsorgung zugeführt und das Auto zum Haus der Besten Dame gefahren.

Jetzt begann das Drama mit der Versicherung: Wie teuer wird das wohl? Ist der Verein für so einen Fall versichert? Wenn ja, bei welcher Versicherung? Wer ist der Ansprechpartner? Ein Anruf beim Kassenwart brachte keine Aussage. Auch der Schriftwart konnte nicht weiterhelfen. Irgendwann fand ich einen kleinen Flyer, auf dem alles gut beschrieben stand. Es ist alles über die Sportversicherung des Verbandes abgedeckt. Und dann durfte ein Bericht geschrieben werden. Wie schreibt man sowas denn? Dafür wurde jetzt ein Schützenbruder, der beruflich Versicherungsvertreter ist gefragt. Seine erste Reaktion war: „Sowas gibt es echt? Wenn ich sowas immer lesen, denke ich, da kann einer seine Scheibe nicht bezahlen.“ Na toll, auf Diskussion mit der Versicherung hat keiner Lust. Jetzt sind alle Fragebögen ausgefüllt, abgeschickt und in Bearbeitung bei der Versicherung. Hoffentlich läuft alles reibungslos, denn der Hausmeister hat doch schon ein kleines schlechtes Gewissen.

Rasenmähen und Hausmeister passen dieses Jahr nicht zusammen. Soviel Ärger, wie in diesem Jahr, gab es noch nie. Und der Landmaschinentechnikbetrieb, bei dem der defekte Rasenmäher steht, hat sich immernoch nicht gemeldet. Ich sollte die Finger vom Thema Rasenmähen lassen.

 

 

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